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Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

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Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Brösel » Sa 14. Jul 2012, 12:43

Zorneding - „Wenn ein herrenloses Tier länger als ein viertel oder halbes Jahr im Tierheim ist, gehört es eingeschläfert.“ Dieser provokante Satz stammt von Zornedings FWG-Gemeinderätin Ursula Roth und fiel im Sozial, Kultur- und Sportausschuss.

Nach der Tagesordnung der jüngsten Sitzung war der Antrag des Tierschutzvereins im Landkreis auf Erhöhung des gemeindlichen Zuschusses zu behandeln. Statt wie bislang 20 Cent pro Einwohner sollen 40 Cent jährlich bezahlt werden. Mit 7:1 passierte das Begehren das Gremium. Die Gegenstimme kam - nach kurzer Diskussion - von der streitbaren Frau der Freien Wähler. Beifälliges Kopfnicken hat Roth in der Beratungsrunde ausgemacht. „Doch sagen will‘s keiner.“ Roth betont: „Ich stehe dazu und ich weiß, dass das unpopulär ist.“

Die Gemeinderätin will keinesfalls als „Tierfeindin dastehen“, sondern einfach „keine Tiere leiden sehen“ und appelliert, das von ihr aufgegriffene Thema „differenziert zu betrachten. Es sei durchaus wichtig, Tiere in einem Tierheim unterzubringen. Auch die Tagespflege eines Tieres gegen Entlohnung findet sie okay. Dann kommt aber Roths großes Aber: Ein Haustier sei ein Tier, das auf den Menschen fixiert ist. Und wenn das Tier keinen Menschen mehr habe, „verkümmert es seelisch“. Es fühle sich dann wie im Gefängnis. „Damit wird man dem Tier nicht gerecht.“ Dass dem so ist, sagt sie aus eigenem Erleben: „Selbst das Kaninchen im Stall freut sich, wenn ich auf es zugehe.“

Für Roth geht es nicht um den Cent-Betrag pro Einwohner, sondern um die Summen. „Tatsache ist leider oftmals, dass Fundhunde nicht in den Pflegestellen des Tierschutzvereins untergebracht werden konnten und somit für 25 Euro pro Tag sehr, sehr lange im Tierheim München betreut werden mussten“, lautete nämlich ein Satz in der Sitzungsvorlage. Ein anderer: Pro Einzelfall könnten die „tatsächlichen Kosten durchaus bei 1000 Euro liegen“. „Da bekomme ich einen dicken Hals, wenn ich mir vorstelle, von wie wenig manche Menschen täglich leben müssen“, ärgert sich Roth. Sie kommt deshalb auch zu noch einem anderen Stück Systemkritik: „Leute, die Tiere irgendwo anbinden, weil sie diese nicht mehr haben wollen, rechnen aufs Tierheim. Die Existenz von Tierheimen leistet deshalb solchem Verhalten Vorschub.“

Und deshalb sieht Roth auch den vom Tierschutzverein geplanten Bau eines Tierheims im Gewerbegebiet im Ebersberger Norden skeptisch. Grünen-Fraktionssprecher Helmut Obermaier war es, der sich in der Sitzungsrunde noch am weitesten im Sinne seiner FW-Kollegin hinauslehnte: Er könne ihre Aussage durchaus verstehen, die 25 Euro pro Tier und Tag lägen schließlich „weit über dem Hartz IV-Satz“. Eine Lösung sei aber schwierig. Noch zwei Tage später bewundert und lobt er Roths Mut. Bürgermeister Piet Mayr (CSU) zeigte sich von der Diskussion „schon überrascht“ und verwies darauf, dass eben die Gemeinde ihre ordinäre Aufgabe, sich um Fundtiere zu kümmern, dem Tierschutzverein übertragen habe. Es sei nicht Aufgabe des Gremiums, „hierüber die ethische Diskussion zu führen“, appellierte er.

In diese Kerbe schlägt auch die Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis, Evelyn Bauer aus Vaterstetten: Roth solle sich „nicht wegen des Geldes zur Herrscherin über Leben und Tod aufspielen“. Wie komme Roth dazu, einen gesunden Hund einschläfern zu wollen, „der einfach nur das Pech hat, zur falschen Zeit gerade keinen Besitzer zu finden“, fragt Bauer. Für die Vorsitzende des Tierschutzvereines ist Roths Diskussionsanstoß „unfassbar“. Tiere im Tierheim würden „nicht verkümmern, sondern auch betreut“. Bauer weiter: „Dort gibt es auch Gassi-Geher.“ Die vom Tierschutzverein eingeforderten 40 Cent pro Einwohner und Jahr summieren sich zu einem respektablen Betrag, bei dem der Zornedinger Anteil nur 3560 Euro beträgt. Zahlen alle Landkreisgemeinden den beantragt höheren Zuschuss, kämen insgesamt 51 905,60 Euro zusammen, rechnet Bauer vor. Die tatsächlichen Kosten für die Betreuung liegen laut Tierschutzverein aber bei 63 473 Euro.

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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Ulla » Sa 14. Jul 2012, 16:07

Ich kann diese Gemeinderätin Frau Roth sehr gut verstehen...

Zeitungspapier ist geduldig und es ist ganz bestimmt nicht alles wiedergegeben worden wie es gesagt worden ist und vor allem wie gemeint war...

Hier in Witten gab und gibt es unendlich viel Streit um die Finanzierung des Tierheimes. Offiziell ist es das Wittener Tierheim, zuständig ist es für die Städte Witten, Wetter und Herdecke und es wurde gebaut auf Herdecker Grund und Boden; das freie Grundstück und die Weideflächen sind auch noch Landschaftsschutzgebiet und dort darf nicht gebaut werden...

Und dann sitzen die ganzen "gewählten" Volkesvertreter da, zanken sich wie die Kesselflicker, es ist einfach nur erbärmlich... und auf der Strecke bleiben die Tiere...
Und die Tiere können nun mal nix dafür wenn irgendwelche Zweibeiner sie aussetzen...

...und die Ausreißer unter den Tieren werden ja meistens auch schmerzlich vermißt und wieder abgeholt...

Frau Roth hat aber beispielsweise Recht damit wenn sie sagt, daß für viele "Fundtiere" ein Einschläfern eine Erlösung wäre... Es werden meiner Meinung nach viel zu viele Tiere in den Tierheimen auf Gedeih und Verderb operiert, therapiert und zum weiterleben "gequält"...

Ich kriege es zum Beispiel nicht auf die Reihe wenn im Fernsehen bei einer einschlägigen Vermittlungssendung ein großer Hund, ca. 11 Jahre alt, blind und beinahe taub, ein hinteres Bein amputiert werden mußte und er nun mit einem Rollwagen durch's "Leben" zuckelt... - dieser Hund soll jetzt vermittelt werden... Und die Medis und die physikalische Therapie kosten auch NUR ca. 70 - 80 Euro monatlich...

Da ist es meiner Meinung nach gnädiger für den Hund, wenn er statt der Operations-Narkose eine einschläfernde Erlösungsspritze bekommen hätte.

25 Euro Tagessatz für einen Hund im Tierheim???

Und die dortigen Tierpfleger(innen) kriegen nur einen Hungerlohn für ihre Arbeit... Sehr viele ehrenamtliche Helfer sind in ganz Deutschland ständig in Sachen Tierschutz aktiv...

Aber das ist ein Reizthema...
lieben Gruß
Ulla

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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Brösel » Sa 14. Jul 2012, 18:52

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen das tatsächliche Fundtiere das Problem sind.
Ich denke eher das es die aus dem Ausland vom Tierschutz importierten Hunde sind, die nach und nach zur Plage werden.
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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Ulla » Sa 14. Jul 2012, 21:11

Ja liebe Rita, da hast du auch wieder was Wahres gesagt!!!

Es ist ja auch meine Meinung, dass wir uns doch zunächst mal um die "eigenen" staatsangehörigen Vierbeiner kümmern sollen/müssen.

Wer aus dem Ausland meint Tiere zur Vermittlung nach Deutschland mitzubringen, der soll gefälligst auch dafür aufkommen!!!

Es ist schon ok wenn mir mein ganz persönlicher Traumhund während des Urlaubs über den Weg läuft und ich ihn unbedingt behalten möchte... Dann muß ich auch alle Formalitäten einhalten und nehme dann genau dieses eine Tier mit nach Hause, aber auch nur um das Tier ganz allein privat für mich zu haben... Dann ist man doch auch für das Tier verantwortlich...

Wenn ich aber die zig Tierschutzorgas im Internet sehe, die sich ja alle vollkommen selbstlos :mrgreen: aufopfern um was-weiß-ich-wieviele arme Geschöpfe bemühen... und auch nur "Flugpaten" suchen um die Tiere zu retten... Dann werden die Tiere hier für teures Geld verkloppt...
...aber es verdient ja niemand dran :mrgreen: - alles ist immer unter dem Deckmäntelchen des Tierschutzes... :mrgreen:

Und inzwischen sind es sogar viele Tierheime die ihre "freien" Plätze ausländischen Orgas anbieten um dann Tiere hierher zur Vermittlung zu holen um dann die Tierheime mit den durch die Vermittlung einfließenden Gebühren finanziell zu stützen...

Auch das finde ich nicht ok...

In vielen Ländern wird es so gehalten, dass speziell Hunde nach einer gewissen Wartezeit eingeschläfert werden...
Das ist für unsereins sehr ergreifend zu lesen, aber dem steht entgegen: nicht in allen Ländern nehmen die Haustiere einen so hohen Stellenwert in den Familien ein wie in Deutschland...

Von einem Stamm der Eskimos habe ich gelesen (oder im Fernsehen davon gehört...), dass die Hundeschlittenführer ihre Hunde bei auch nur anfänglich auftretender Schwäche aus der Gruppe nehmen und sie töten... Es gibt kein "Altenteil" für die Hunde... Die wenigsten Hunde werden dort älter als 5 Jahre...

Auch das wäre für mich nur schwer zu ertragen - andere Länder = andere Sitten...
lieben Gruß
Ulla

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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Brösel » Sa 14. Jul 2012, 21:18

In vielen Ländern wird es so gehalten, dass speziell Hunde nach einer gewissen Wartezeit eingeschläfert werden...

So wurde es früher auch in den österreichischen Tierheimen gehalten. Tiere die nicht vermittelt werden konnten, und keinen besonderen Wert (Artenschutz) darstellten, wurden eingeschläfert. Darüber hat sich niemand aufgeregt. Man hatte damals noch genug Sorge selbst zu überleben.

PS.: In den USA, wo es üblich ist unliebsame Tiere durch Klappen zu entsorgen, hinter denen die Gaskammer auf die Tiere wartet, geht man jetzt dazu über Auffangplätze zu schaffen wo die Tiere überleben sollen.
Wir gehen den umgekehrten Weg.
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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Nanita » So 15. Jul 2012, 01:21

In Ungarn ist es so, dass, wenn der Besitzer sagt sofort, das Tier auch sofort eingeschläfert wird - ohne die übliche Wartezeit! Und häufig sind es einfach Tiere die lästig geworden sind bzw. das der Besitzer das Tier nicht mehr ernähren kann weil er sich und seine Familie nicht ernähren kann ( das die Ungarn ne andere Einstellung zu ihren Tieren haben, darüber brauchen wir nicht reden)

Und gerade kleine Vereine haben es sich dort zur Aufgabe gemacht gerade solchen Tiere zu helfen und sind dann froh wenn sie nach Deutschland oder Österreich gebracht werden können. Jedes Tier was da rauskommt hat es selbst dort im Tierheim besser als in Ungarn im Tierheim!!! Eine Bekannte von uns leitet in Ungarn ein Tierheim das sie in mühevoller Arbeit aufgezogen hat. Dort werden keine Tiere mehr getötet sondern sie arbeiten mit dem Hundefänger zusammen und versuchen auch die Einstellungen der Ungarn zu ihren Tieren zu ändern, also nicht unbedingt jeden Hund nach Deutschland zu vermitteln. Aber es ist Fakt, der Winter in Ungarn ist hart, die Bevölkerung ist arm und somit kann man sich dort nur freuen wenn ein gesunder Hund ins Ausland vermittelt werden kann und es dort besser hat als im Tierheim dort
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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Fussel » So 15. Jul 2012, 20:15

ein heikles Thema, aber die Lösung des Einschläferns ist da nach meiner Meinung ein viel zu einfacher Weg :?

Wie heißt es so schön? Wehret den Anfängen!! und damit meine ich schon die "Entstehung" eines jeden Hundes, dann an wen die Hunde vermittelt werden, eine konsequente Einhaltung der Chip-Pflicht und so weiter...

oder die Erlebnisse mit unserem Tierheim, wenn man an Tieren interessiert ist und das Gefühl nicht loswird, die wollen die Tiere gar nicht vermitteln und dann lese ich die täglichen Hilferufe, da platzte mir schon so manches Mal die Hutschnur

einschläfern ist da natürlich viel einfacher - aber käme für mich nicht in Frage!!!
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Re: Gemeinderätin fordert: "Fundtiere einschläfern"

Beitragvon Ulrike » Sa 21. Jul 2012, 20:06

Einschläfern ist ja auch leichter, als etwas gegen "Hundezuchtfabriken" zu unternehmen. Immerhin ist es für Leute ja auch einfach geworden, sich just mal einen Hund billig anzuschaffen und wenn er lästig wird, im Tierheim abzuliefern.

Kaum zu glauben, auf was manche Leute so kommen und das auch noch in Deutschland. Und dann zu sagen, sie könne keine Tiere im Tierheim leiden sehen. Was kommt denn dann als nächstes, kann sie dann Behinderte oder Alte in den Heimen auch nicht leiden sehen? :evil:
Liebe Grüße
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